Reduziert die Herpes-Zoster-Impfung das Risiko für Demenz?

von cand.med. Anna Schreiber

Dies legt jedenfalls die 2025 publizierte großangelegte Kohortenstudie von Emily Tang et al. aus den USA nahe, welche die Daten von über 4.5 Millionen Personen mit einem durchschnittlichen Alter von 62 Jahren analysierte, von denen 4.6% partiell geimpft und 10.2% vollimmunisiert waren. Auch wurde evaluiert, ob eine bereits vorhandene Herpes-Zoster-Diagnose und der Einsatz antiviraler Therapie einen Einfluss auf die Entwicklung einer Demenzerkrankung zeigen.
Aber was genau ist eigentlich „Herpes Zoster“ und wie hängt das mit Demenz zusammen?

Herpes Zoster wird durch eine Reaktivierung von Varizella-Zoster-Viren ausgelöst. Diese Viren lösen meist im Kindesalter die sogenannten „Windpocken“ aus und persistieren anschließend lebenslang in sensorischen Hirnnerven- sowie Spinalganglien. Wenn es nun zu einer Reaktivierung dieser Viren kommt, beispielsweise aufgrund von Stress, zunehmendem Alter oder Immunsuppression, entsteht das Krankheitsbild des sogenannten „Herpes Zoster“, besser bekannt als „Gürtelrose“. Diese betrifft im Laufe des Lebens jeden 3. Menschen. Dadurch kommt es zu Entzündungsreaktionen im Nervensystem, was wiederum die Entstehung von Demenz begünstigt und auch zu direkten neuronalen Schäden führen kann. Fieberbläschen entstehen übrigens durch Herpes simplex, ein verwandtes, aber anderes Virus.

Die Ergebnisse dieser großen Studie zeigen, dass Personen, die eine Gürtelrose-Diagnose vor einer Impfung erhielten, ein um 47% erhöhtes Risiko für eine spätere Demenz hatten als jene ohne Diagnose, was Herpes Zoster zu einem bedeutenden Risikofaktor für Demenz macht.

Weiters wurde beobachtet, dass eine partielle Impfung die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung um 11% und eine vollständige Impfung sogar um 32% reduzierte.

Falls es jedoch zu einem Herpes Zoster kommen sollte, kann durch die Einnahme von antiviralen Medikamenten eine Risikoreduktion für Demenz von 58% erzielt werden. Auch zeigt der Einsatz dieser Virostatika im Rahmen von anderen Erkrankungen eine 41%ige Risikoreduktion.

Seit November 2025 ist der rekombinante Zoster-Impfstoff (Shingrix) für alle über 60-Jährigen und für Menschen mit Immundefizit bereits ab 18 Jahren kostenlos möglich, es kommt aktuell aber leider immer wieder zu Lieferengpässen. Die Grundimmunisierung erfolgt mittels 2 Impfungen im Abstand von 2 bis 6 Monaten und reduziert das Risiko für eine Gürtelrose um etwa 90%.


Quellen:

2025 Tang et al.

Herpes Zoster (2026)

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