Sucralose und Zucker – mehr zentrale Insulinresistenz?

Sind Süßstoffe metabolisch wirklich neutral? Eine vielbeachtete Studie von Dana Small und KollegInnen aus Yale liefert dazu eine überraschende Antwort: Entscheidend könnte nicht nur der Süßstoff selbst sein, sondern womit wir ihn gemeinsam konsumieren.

In der 2020 in Cell Metabolism veröffentlichten Studie wurden 45 junge Erwachsene mit BMI < 30 untersucht. Die TeilnehmerInnen konsumierten über einen Zeitraum von rund zwei Wochen insgesamt sieben Getränke zu je 355 ml.

Sie wurden drei Gruppen zugeteilt:

  • Sucralose: 0,06 g Sucralose, praktisch ohne Kalorien
  • Zucker: rund 30 g Saccharose, entsprechend etwa 120 kcal
  • Kombination: 0,06 g Sucralose plus rund 32 g Maltodextrin, ebenfalls etwa 120 kcal

Vor und nach der Intervention untersuchten die Forschenden unter anderem Glukosestoffwechsel und Insulinsensitivität. Zusätzlich wurden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) Reaktionen des Gehirns auf verschiedene Geschmacksreize gemessen.

Das überraschende Ergebnis:

Entgegen der ursprünglichen Hypothese war Sucralose allein nicht mit einer Verschlechterung der Insulinsensitivität verbunden. Auch in der Zuckergruppe wurde unter diesen Versuchsbedingungen keine entsprechende Veränderung beobachtet.

Anders sah es bei der Kombination aus Sucralose und Kohlenhydraten aus: Bereits nach sieben Getränken in wenigen Tagen zeigte sich eine verminderte Insulinsensitivität. Parallel dazu nahm in bestimmten Hirnregionen im MR die neuronale Reaktion auf süßen Geschmack ab. Die bewusste Wahrnehmung der Süße veränderte sich hingegen nicht.

Was könnte dahinterstecken?

Die Ergebnisse sprechen gegen die einfache Vorstellung, dass der Organismus durch „Süße ohne Kalorien“ grundsätzlich metabolisch verwirrt wird. Stattdessen vermuten Small und Kollegen eine Interaktion zwischen Sucralose und gleichzeitig aufgenommenen Kohlenhydraten. Das Zusammenspiel von intestinalen Nährstoffsignalen, Glukosestoffwechsel und Gehirn könnte dabei eine Rolle spielen. Das ist besonders interessant, weil diese Kombination im Alltag keineswegs ungewöhnlich ist: so wird in UK mittlerweile standardmässig Zucker mit Süßstoff in Getränken gemischt; auch wird ein mit Süßstoff gesüßtes Getränk häufig nicht isoliert konsumiert, sondern gemeinsam mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit.

Bedeutet das, dass Süßstoffe schädlich sind?

Die Untersuchung war relativ klein, dauerte nur kurze Zeit und untersuchte einen ganz bestimmten Süßstoff – Sucralose – unter definierten experimentellen Bedingungen. Die Ergebnisse können daher weder ohne Weiteres auf andere Süßstoffe übertragen werden noch beweisen sie langfristige gesundheitliche Schäden. Die Studie liefert aber einen wichtigen Denkanstoß: Bei der Bewertung von Lebensmitteln reicht es möglicherweise nicht aus, einzelne Nährstoffe isoliert als „gut“ oder „schlecht“ einzustufen. Der metabolische Effekt eines Lebensmittels kann davon abhängen, in welcher Kombination seine Bestandteile aufgenommen werden.

Zur Studie: https://www.cell.com/cell-metabolism/fulltext/S1550-4131(20)30057-7?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS1550413120300577%3Fshowall%3Dtrue

Dalenberg JR, Patel BP, Denis R, et al. Short-Term Consumption of Sucralose with, but Not without, Carbohydrate Impairs Neural and Metabolic Sensitivity to Sugar in Humans. Cell Metab. 2020;31(3):493–502.e7. doi:10.1016/j.cmet.2020.01.014.

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