Oft höre ich: „Ja meine Mutter hatte schon einen Schenkelhalsbruch, aber da war sie schon 80!“ Osteoporose wird oft als unvermeidliche Alterserscheinung angesehen – dabei haben wir heutzutage in einem Land wie Österreich sehr gute Optionen, um das Knochenbruchrisiko zu reduzieren.
Osteoporose ist weit mehr als eine verminderte Knochendichte. Sie kann zu Frakturen führen, die das Leben grundlegend verändern. Besonders eine Hüftfraktur bzw. ein Schenkelhalsbruch ist häufig der Beginn eines dramatischen und oft dauerhaften Verlustes an Selbstständigkeit. Zudem liegt die 1-Jahres-Sterblichkeit nach einer Hüftfraktur bei etwa 20–30 % – ein Risiko, das mit häufigen Krebserkrankungen vergleichbar ist.
Warum wird Osteoporose dennoch so unterschätzt? Die Risikopsychologie liefert dafür spannende Erklärungen. Menschen bewerten Gefahren nicht allein anhand von Zahlen. Sichtbare und emotional aufgeladene Erkrankungen wie Krebs wirken bedrohlicher als eine Krankheit, die nicht schmerzt und jahrelang unbemerkt verläuft. Hinzu kommt der sogenannte „Optimism Bias“: Viele glauben, dass schwerwiegende Folgen eher andere treffen als sie selbst.
Eine gute Risikokommunikation ist deshalb entscheidend. Statt abstrakter Prozentangaben helfen verständliche Vergleiche und natürliche Häufigkeiten. So erleidet etwa jede 5. Frau im Laufe Ihres Lebens eine hüftnahe Fraktur!
Osteoporose ist also keine harmlose Begleiterscheinung des Alterns. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Lücke zwischen der tatsächlichen Krankheitslast und ihrer Wahrnehmung zu schließen – denn nur wer das Risiko erkennt, kann rechtzeitig handeln und die seltenen Nebenwirkungen dem hohen Krankheitsrisiko gegenüberstellen und informierte Entscheidungen treffen.